1. Offener Brief an die Stadtvertretung

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Am 18.07 haben wir folgenden Brief an die Malchower Stadtvertretung verschickt:

 

Sehr geehrte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter,

 

wir sind auf vielfältige Weise eng mit der Inselstadt Malchow verbunden: viele von uns sind Malchower/innen oder ehemalige Malchower/innen, denen die Inselstadt sehr am Herzen liegt. Viele von uns leben mit ihren Familien hier oder sind dort aufgewachsen, und auch diejenigen von uns, die es mittlerweile in andere Himmelsrichtungen verstreut hat, kehren häufig und gern nach Malchow zurück. Als Einwohner/innen und häufige Gäste der Stadt eint uns eine große Sorge angesichts der aktuellen Ereignisse in Malchow.

Wir sind entsetzt über Berichte, denen zufolge Malchow sich in den vergangenen Jahren vor unser aller Augen zu einer Hochburg rechtsextremer Anstrengungen und Aktivitäten entwickelt hat. Mit größter Sorge stellen wir fest, dass Malchow zum regionalen Zentrum einer selbstbewusst agierenden rechtsextremen Szene geworden ist, der wenig oder kein Widerstand geboten wird.

Zuletzt war Malchow am 8. Juli 2018 zum wiederholten Male Veranstaltungsort eines sogenannten „Zeitzeugenvortrages,“ bei dem ein ehemaliger Untersturmführer der Waffen-SS zur Attraktion eines rechtsextremen Publikums wurde. Wie aus einer kleinen Anfrage (Drs. 7/1902) von MdL Karin Larisch hervorging, ist dies kein Einzelfall, sondern fügt sich in eine Serie von rechtsextremen Vorträgen und Schulungsveranstaltungen ein, die bereits im Jahr 2017 zuverlässig zwischen 80-100 Teilnehmern nach Malchow lockten:

 

  • 07.2017 Schulungsveranstaltung mit ca. 80 Teilnehmern
  • 08.2017 Zeitzeugenvortrag mit ca. 100 Teilnehmern
  • 11.2017 Zeitzeugenvortrag mit ca. 100 Teilnehmern

Aufgrund der wiederholten Veranstaltungen in dieser Größenordnung lässt sich Malchow ohne Zweifel als regionales Zentrum für die Ausbreitung menschenverachtender und demokratiefeindlicher Ansichten bezeichnen.

Eine große Bedeutung für diese Entwicklung scheinen die Malchower Organisationen „Syndikat Malchow“ und „Freizeitverein B2 (Brigade 2) e.V.“ zu tragen. Der kürzlich erfolgte „Zeitzeugenvortrag“ eines ehemaligen Untersturmführers der Waffen-SS fand im Clubhaus der genannten Organisationen in der Rostocker Straße statt. Wir halten es schon allein deshalb für ausgeschlossen, dass es sich hierbei um einen Zufall oder ein Versehen handelt, da der „Freizeitverein B2 e.V.“ auf seiner Facebook-Seite mit Sprüchen der SS („Unsere Ehre heißt Treue“) sowie mit einschlägigen NS-Kleidungsstücken und Erkennungszeichen der Neo-Nazi-Szene wirbt. Auch dank der beiden genannten Organisationen und ihrer Unterstützung ist Malchow in der Region zu einem Zentrum rechtsextremer Agitation geworden, das für die entsprechende Szene eine Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus erhalten hat.

Von dieser besorgniserregenden Entwicklung wird nicht nur das Ansehen unserer Stadt beschädigt, deren ökonomisches Kapital ihre Gastfreundlichkeit, ihre Offenheit und ihr touristisches Image ist. Diese Entwicklung hat ebenso Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit vieler Malchowerinnen und Malchower, die in den Augen der Neo-Nazis „anders“ sind und die vielfältiger leben als es der braunen Einfältigkeit gefallen kann. Eine wachsende rechtsextreme Szene erzeugt ein Klima aus Angst, Gewalt und Einschüchterung, das nicht nur Gäste fernhält, sondern auch die Lebensqualität vieler Bewohnerinnen und Bewohner unserer Stadt nachhaltig beeinträchtigt.

Wir fordern die Stadtvertretung daher auf, es nicht weiter zuzulassen und hinzunehmen, dass Malchow sich weiter als Zentrum rechtsextremer Aktivitäten etabliert.

Wir fordern ferner:

  • ein deutliches Bekenntnis zu Vielfalt und Toleranz sowie eine klare Stellungnahme gegen rechtsextreme Einfältigkeit
  • konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Zivilgesellschaft und zur Umkehr der Vereinnahmung unserer Stadt durch rechtsextreme Aktivitäten und Organisationen
  • die Klärung der Rolle von „Syndikat Malchow“ und „Freizeitverein B2 e.V.“ in der Organisation und Unterstützung rechtsextremer Aktivitäten in Malchow
  • insbesondere die Klärung der Rolle des Stadtvertreters Matthias Kettner und seines Engagements in den genannten Organisationen
  • die sofortige Löschung des rechtsextremen „Freizeitvereins B2 e.V.“ aus der Vereinsrubrik der Internetseite der Inselstadt Malchow
  • die Prüfung, ob und inwiefern städtisches Eigentum durch „Syndikat Malchow“ und „Freizeitverein B2 e.V.“ genutzt wurde bzw. wird
  • die Prüfung, ob und inwiefern ihnen neben der Werbung auf den offiziellen Internetseiten der Stadt irgendeine weitere materielle oder immaterielle Unterstützung durch die Inselstadt Malchow zuteilwurde oder -wird.

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